84 % der IT-Entscheider fordern europäische Lösungen – aber kaum jemand handelt danach. Ein Blick in den aktuellen State of Digital Sovereignty Report.
Digitale Souveränität ist in aller Munde. In politischen Strategiepapieren, auf Konferenzen, in Pressemitteilungen. Was aber passiert tatsächlich in den IT-Abteilungen und Führungsetagen deutscher Unternehmen?
Myra Security, unser Solution Partner für Web-Security und DDoS-Schutz, hat gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey 1.500 IT-Entscheider in Deutschland befragt. Das Ergebnis ist eindeutig – und ernüchternd.
Als Spezialist für IT-Security Made in Germany ordnet agilimo die wichtigsten Erkenntnisse für Sie ein.
Theorie vs. Realität: ein klares Bild
Die Befragung zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit in deutschen Unternehmen:
- 84,4 % der IT-Entscheider sagen: Staat und kritische Infrastrukturen sollten vorrangig europäische Digitallösungen einsetzen.
- Aber: Nur 20,5 % der Unternehmen nutzen selbst europäische Cybersecurity-Lösungen.
- Und: Fast die Hälfte (47,7 %) plant in den nächsten 24 Monaten keinen Umstieg auf europäische Software.
Die Botschaft ist klar: Was für den öffentlichen Sektor und KRITIS gefordert wird, gilt im eigenen Unternehmen offenbar anderen Maßstäben.
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Wo die Abhängigkeit am stärksten ist
Der Report analysiert acht Technologiebereiche. Die Abhängigkeit von nicht-europäischen – überwiegend US-amerikanischen – Anbietern ist dort am höchsten, wo es am meisten auf Sicherheit ankommt:
- Cloud Services: 39,7 % der Unternehmen berichten von starker bis sehr starker Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern.
- Cybersecurity: 39,5 % – nahezu identisch.
- KI-Infrastruktur: 36,6 % sehen sich als stark abhängig.
- Kollaborations-Tools: 36,6 %.
Vergleichsweise besser aufgestellt sind Unternehmen bei klassischen Business-Anwendungen wie ERP (19,8 %) und Finanzsoftware (16,8 %). Hier haben europäische Anbieter traditionell eine starke Marktstellung.
Das Paradox der trügerischen Souveränität
Besonders aufschlussreich ist, wie IT-Entscheider die eigene Abhängigkeit einschätzen – im Vergleich zur tatsächlichen
Nutzung europäischer Lösungen:
- KI-Infrastruktur: Nur 10,2 % nutzen europäische Lösungen. Dennoch stuft mehr als die Hälfte (50,3 %) die eigene Abhängigkeit als gering oder nicht existent ein.
- Cybersecurity: Nur 20,5 % setzen auf europäische Anbieter. Fast die Hälfte (47,2 %) sieht trotzdem kaum eine Abhängigkeit.
Dieses Muster ist kein Randphänomen – es zieht sich durch alle Technologiebereiche. Die eigene Abhängigkeit wird systematisch unterschätzt. Das ist gefährlich.
Konkrete Risiken: nicht nur Theorie
Was auf den ersten Blick wie ein abstraktes Souveränitätsproblem wirkt, hat reale Konsequenzen. Der Report nennt drei Kategorien:
1. Kontrollverlust
US-amerikanische Anbieter unterliegen US-Recht. Das zeigt sich nicht nur in Datenschutzfragen – wenn politische Entscheidungen in Washington IT-Systeme europäischer Institutionen direkt betreffen, wird die Abhängigkeit konkret greifbar.
2. Wirtschaftlicher Druck
Steigende Lizenzkosten für US-Softwareprodukte belasten Unternehmen und öffentliche Institutionen erheblich. Europäische Städte reagieren bereits mit Umstieg auf Open-Source- und europäische Alternativen.
3. Rechtliche Unsicherheit
US-Gesetze wie der CLOUD Act und FISA Section 702 verpflichten US-Anbieter zur Herausgabe von Daten an US-Behörden – unabhängig davon, ob die Daten auf europäischen Servern liegen. Das untergräbt die DSGVO und entzieht Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Daten.
Für Unternehmen mit sensiblen Kunden- oder Prozessdaten ist das kein theoretisches Risiko, sondern ein reales Compliance-Problem.
Was einen Wechsel auslösen würde
Der Report zeigt auch, unter welchen Bedingungen Unternehmen bereit wären, auf europäische Alternativen umzusteigen:
- 69,9 % würden wechseln, wenn Leistung und Zuverlässigkeit vergleichbar sind.
- 69,4 % nennen Datensicherheit als Hauptmotiv.
- 66,5 % würden bei deutlichen Kostenvorteilen wechseln.
- 62,5 % würden wechseln, wenn die Datenspeicherung garantiert in der EU erfolgt.
- 61,3 % nennen lokalen Support als entscheidenden Faktor.
Das sind keine hohen Hürden. Die Bereitschaft ist vorhanden – es fehlt vor allem an Bekanntheit europäischer Lösungen und an konkreten Impulsen.
Der blinde Fleck: Bekannheit
Ein wesentlicher Grund für die geringe Nutzung europäischer Lösungen ist schlicht fehlende Kenntnis:
- Europäische Cybersecurity-Anbieter kennen nur 32,4 % der IT-Entscheider.
- Europäische KI-Lösungen sind nur 21,9 % bekannt.
- Europäische Kollaborationstools kennen nur 21,8 %.
Wer nicht weiß, welche Alternativen existieren, trifft keine bewusste Entscheidung für US-Lösungen – er trifft gar keine.
Was das für Ihre IT-Security-Strategy bedeutet
Als IT-Security-Spezialist mit dem Anspruch „IT-Security Made in Germany“ sehen wir in diesen Zahlen eine klare Bestätigung: Europäische IT-Sicherheitslösungen sind leistungsfähig, DSGVO-konform und verfügbar. Was fehlt, ist Sichtbarkeit – und der Mut zum ersten Schritt.
Unsere Empfehlung für Entscheider:
- Führen Sie einen ehrlichen Abhängigkeits-Check durch: In welchen Bereichen sind Sie auf US-Anbieter angewiesen?
- Prüfen Sie europäische Alternativen – insbesondere in den Hochrisiko-Bereichen Cloud, Security und KI.
- Nutzen Sie regulatorischen Rückenwind: NIS-2 und DSGVO stärken die Position europäischer Lösungen aktiv.
Fazit
Die Zahlen aus dem State of Digital Sovereignty 2025 sind kein Alarmruf – sie sind eine Standortbestimmung. Deutschland weiß, was nötig wäre. Der politische Konsens ist da. Die Bereitschaft in der Wirtschaft auch. Was fehlt, sind Sichtbarkeit, konkrete Entscheidungen und konsequentes Handeln.
Digitale Souveränität ist kein Selbstzweck. Sie ist die Grundlage für Datenschutz, Rechtssicherheit und unternehmerische Handlungsfreiheit.
Über Myra Security
Myra Security ist spezialisierter Anbieter für Web-Security-Lösungen und DDoS-Schutz – made in Germany. Myra ist Solution Partner von agilimo Consulting.
Ansprechpartner für Rückfragen:
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Marcus Heinrich
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